Tortilla als Bergsteigeressen? Tomás kocht in dieser Saison auf der Hanauer Hütte

Warum parkt ein Auto mit spanischem Kennzeichen an der Materialseilbahn zur Hanauer Hütte? Hierher kommen nur Fahrzeuge von dem Pächter, dem Almwirt, den Jägern oder vom Hüttenteam. Es gehört Tomás, dem Koch in dieser Saison. Er hat Sport studiert, ist Bergführer-Aspirant und will im nächsten Sommer nach Chile. Als Skilehrer. Grund genug für ein paar Fragen an ihn.

  • Aus welcher Region Spaniens kommst du?

Ich komme aus dem Süden Spaniens. Eine kleine Stadt in den Bergen in der Nähe von Granada. Ich bin dort geboren und aufgewachsen. Meine Eltern sind aber Engländer. Sie zogen Mitte der 1980er nach Spanien. Sie waren der Mittelpunkt unserer Familie, als mein Bruder und ich geboren wurden. Dennoch sind meine kulturellen Wurzeln ein Mix aus Spanisch und Englisch.

  • Was hat dich bewegt, in dieser Saison auf der Hanauer Hütte als Koch zu arbeiten? 

Ich habe in diesem Job eine große Chance gesehen, die Arbeit, das Lernen einer neuen Sprache und das Kennenlernen eines Landes, das ich nie zuvor besucht habe, zu kombinieren. Die Lage der Hütte war ebenfalls sehr wichtig, da ich gern in den Bergen wandere und klettere.

  • Wie bist du an den Job gekommen?

Ich habe die offene Stelle mithilfe einer deutschen Freundin gefunden. Sie kontaktierte Werner (den Hüttenwirt), als sie die Stellenanzeige im Internet gefunden hatte. Sie arbeitet im Sommer ebenfalls auf einer Hütte und half mir bei der Übersetzung für die Bewerbung. Ich war besorgt aufgrund meiner Deutschkenntnisse: Die waren gleich Null, bevor ich auf die Hütte kam. Diese Sorge stellte sich als unnötig heraus.

  • Wie zufrieden bist du mit deinem Arbeitsplatz?

Obwohl wir lange arbeiten und nur einen freien Tag pro Woche haben, um die schöne Umgebung der Hütte zu genießen, ist Aufgabe sehr zufriedenstellend. Das liegt am Hüttenteam. Gundi, Manuel, Petra, Miriam, Uli und seit neuestem Tatiana lassen die Zeit mit Witzen und Lachen verfliegen, während wir andererseits hart arbeiten. Und obwohl ich das meiste von dem, was sie sagen, nicht verstehe, weil mein Deutsch nur sehr langsam besser wird, fühle ich mich mit den Kollegen wohl und zu Hause.

Generell bin ich mit meinem Job sehr zufrieden. Werner hat mir verschiedene Verantwortungen in der Küche übertragen. So wird das Tagesgeschäft interessant und herausfordernd. Die Arbeit ist vielfältig von Spülen über Kochen bis zum Entladen der Materialseilbahn, wenn neue Lieferungen kommen. Ich genieße, dass wir ein Team sind und uns gegenseitig unterstützen, unabhängig davon, ob es zu unseren eigentlichen Aufgaben gehört oder nicht.

  • Was kochst du am liebsten? Würdest du gern auch ein spanisches Gericht auf der Speisekarte anbieten?

Ich liebe es, andalusische Gerichte mit viel frischem Gemüse und spanischen Zutaten zu kochen. Allerdings ist meine Liebe zum Essen weit gefasst. Von New Cuisine bis zu den Gerichten, mit denen ich aufgewachsen bin. Am liebsten koche ich die einfachen Gerichte mit nur wenigen, aber qualitativ hochwertigen Zutaten. Wie Tortilla de Patatas. Im Grunde genommen nur Kartoffeln und Eier. Und trotzdem ist es so schwer, es richtig gut zu kochen. Vielleicht gibt es die Tortilla de Patatas einmal als Bergsteigeressen.

  • Wie gefällt es dir auf der Hütte?

Die Hütte ist sehr komfortabel und die Einrichtung ist beeindruckend. Die Küche ist für eine effiziente Zubereitung der Speisen bestens ausgestattet und es macht richtig Spaß, darin zu kochen. Die Materialseilbahn ermöglicht es uns, frische und abwechslungsreiche Gerichte anzubieten. Der Zustand der Hütte ist perfekt. Ich freue mich, hier zu sein. 

  • Was machst du in deiner Freizeit?

Meine Leidenschaften sind die Slackline, Klettern und Skifahren. Tatsächlich arbeite ich im Winter als Skilehrer in der Sierra Nevada. Ich liebe es, in den Bergen zu sein und irgendetwas zu unternehmen. Deshalb fühle ich mich hier wie im Himmel. Normalerweise gehe ich Sportklettern. Aber hier habe ich keinen Sicherungspartner. Also bouldere ich und klettere leichtere Routen solo. Ist das Wetter gut, spanne ich in den Pausen meine Slackline zwischen zwei Felsen am Angerlebach. An meinen freien Tagen erkunde ich die Berge, mache lange Wanderungen zu den Nachbarhütten oder besteige die umliegenden Gipfel. Ich genieße alles.

  • Was reizt dich an deinem Engagement in Chile?

Ich weiß nicht genau, worauf du hinauswillst. Möglicherweise denkst du an meinen Wunsch, im nächsten Sommer in Chile als Skilehrer zu arbeiten. Was reizt mich daran? Generell bietet eine Arbeit im Ausland die außerordentliche Erfahrung wie jede andere Arbeit. Aber für einige Monate an einem Ort zu sein, Menschen zu treffen, die dort leben und arbeiten, ist aus meiner Sicht ein besserer Weg, andere Länder kennenzulernen, als nur dort Urlaub zu machen.

Tomás, Danke für deine Antworten.

Das Interview wurde in Spanisch und Englisch geführt. Die Fragen stellte Ludolf Schein.